Gerlinde Großmann
Aug 19th, 2009 by Christel Bröer
geboren 1938 in Stettin, seit 1945 im Rheinland und in Niedersachsen. Studium der Fächer Germanistik, Theologie und Philosophie. Seit 1964 mit Familie im Schwarzwald. 1969 Ausbruch von Multipler Sklerose. Gedichte, Zeichnungen, Ölbilder und Collagen. Intensive Ausstellungstätigkeit. Tod 2001 nach akuter schwerer Erkrankung. In ihren Gedichten verarbeitet Gerlinde Großmann ihre Erfahrungen mit Kunst, mit ihrer Krankheit, mit dem Tod ihres zweiten Kindes, aber auch mit der Natur und ihren politischen Überzeugungen.
Beitrag in der Anthologie “Fundstücke, Mauern und Grenzen” mit Lyrik
Leseprobe:
die trompeten von jericho
sonnenschein liegt auf den blüten
er feiert mit ihnen den sommer des himmels
und der hinterhöfe
gelbtöne richten ihre fanfaren gegen die mauer
die alte abbröckelnde mauer
mit den kleinen blumen
und den herabrieselnden steinen
der goldlack verschließt dunkel
rote töne rollen sich ein
ein samtgehäuse für die biene
und der käfer richtet seinen panzer auf
gegen die trompeten von jericho
gegen den sommer des himmels und der hinterhöfe
er schimmert blaugrün er glänzt
ein mistbeet streckt die hellen töne zu boden
es kehrt frieden ein im hinterhof
der himmel hat aufgegeben
die sonne wiegt sich in gelben träumen
auf den blütenblättern unserer blumen
ein trauermantel löst sich