Dr. Birgit Hambach-Uldall, auch Birgit Hambach, Jahrgang, 1929, in Flensburg als Ärztin niedergelassen, verwitwet, lebte einige Jahre in Glücksburg. Seit 25 Jahren beschäftigt sie sich literarisch. Neben Lyrik, Prosa, Satiren schrieb sie drei Hörspiele. Veröffentlicht wurden die Novelle »Hellemann, der von der Geest«, »Angeliter Sommersprossen«, zwei Bände Erzählungen »An Flensburgs Förde«, der Kurzroman »Selbst wenn der eine sich irrt …« sowie Beiträge in mehreren Anthologien des norddeutschen Raumes. Sie war Mitglied in mehreren literarischen Verbänden/Autorengruppen in Schleswig-Holstein und Hamburg.
Seit 1997 ist Birgit Hambach-Uldall in dem Förderverein für zeitgenössische Literatur NordBuch e. V. aktives Mitglied. Die Autorin ist als Gründungsmitglied von Anbeginn für die Förderung der Nachwuchstalente mit kritischem Geist tätig gewesen. Durch ihren ausgeprägten Einsatz hat sie insbesondere Autoren bei Texten mit Nachsicht, Ausdauer und Geduld hilfreich konstruktive Anregungen sowie literarische Möglichkeiten aufgezeigt. Sie hat bei den Anthologien Fundstücke mitgewirkt als Korrekturleserin, die kleine Druck-, Grammatik- oder Ausdrucksfehler zur Optimierung der Texte korrigiert hat darüber korrespondiert.
Mit Beiträgen ihrer Kurzprosa und Lyrik in den 9 Bänden »Fundstücke«, beispielsweise über den Schriftsteller »Oskar Loerke« ( 1884 – 1941) mit dem Titel »Schnittstelle«, 2003 und zum Gedenken an »Friedrich Paulsen« ( 1846-1908 ) eine »Saga aus der Geest«, 2004; Gedicht und Erzählung »Der Mann vom Knick«, 2005 und 2006 wie Kurzprosa »Bedürfnis« 2007, die Märchenerzählungen »Die wundersame Möwe«, 2008, und »Mitteilungen über das Lächeln«, 2009 sowie die Kurzgeschichte »An der Ostsee« und Lyrik »Die Strandpromenade« und »Poträt von…« 2011 veröffentlicht sie in der ihr eigenen besonderen Erzählweise mit Prosa und Lyrik und hat die Anthologien Fundstücke in Schleswig-Holstein und darüber hinaus mit etabliert.
Auszug aus dem Beitrag für Lyrik 2005/2006: Ich sammle
Ich sammle/ einen Stein/ im nassen Farbenspiel/ am Strand/ keiner seinesgleichen// hergespült/ trägt er sich heran/ zugeteilt/ schweigt horcht wartet /Stein allein aus mir/ weitersammeln
Birgit Hambach-Uldall führte ebenso eine Textwerkstatt in Glücksburg. Nicht weniger aktiv pflegte sie das Komponieren und ist Mitglied der Musikakademie für Senioren, u. a.. Sie hat die Musik komponiert zu dem »Totentanz«, geschrieben von Antje Thietz-Bartram. »Totentanz« wurde von Dr. Birgit Hambach arrangiert und in der wundervollen Kirche in Oeversee gespielt.
Birgit Hambach hat ebenfalls ehrenamtlich für den Förderverein für zeitgenössische Literatur NordBuch e.V. an Lesungen teilgenommen wie z. B. im Literaturhaus in SH in Kiel, im Haitzmann-Museum in Niebüll, der Christuskirche in Niebüll und im Flensborg Hus in Flensburg zum Literatursommer in SH zu Texten der zwei polnischen Lyrikerinnen. Literaturverbänden und Vereinen stand sie als Vorbild für Autoren aufgeschlossen und mit Engagement gegenüber.
Dr. Birgit Hambach-Uldall ist am 19. Februar 2012 verstorben, die Trauerfeier wurde am 1. 3. 2012 um 11.30 Uhr in der Auferstehungskirche Glücksburg der ev.-luth. Kirchengemeinde gehalten.
Christel Bröer, 1. Vorsitzende
Birgit Hambach (ein literarischer Nachruf von Rolf Kamradek)
Ein schwarzer Falter, tief in Trauer, saß reglos auf der Feldsteinmauer.
Nanu! Wartest du? Und wann? Ich saß rein zufällig daneben,
sann soeben, über mich nach und mein Leben
Erst am 14.2.2012 würdigte die sh:z Frau Dr. med. Birgit Hambach-Uldal. Unternehmungslustig wirkte sie auf ihre Gesprächspartnerin, Frau Friedel, nur fünf Tage später starb die 82jährige Autorin überraschend.
Die Verstorbene, die in mehreren literarischen Gruppierungen arbeitete, war auch Mitbegründerin der Autorengruppe CoLibri, in der sie eine geistige Heimat fand und deren Arbeit sie deutlich beeinflusste. Bis zuletzt brachte sie sich streitbar und um jedes Wort stilsicher ringend in die Diskussionen ein. Ihre gelegentlich geäußerte selbstkritische Sorge, sie könne wegen ihres Alters eine Belastung darstellen, war unbegründet. Es gab keinen Autor, den sie nicht mit ihrer geistigen Frische beeinflusste, ihre Anregungen und Kritiken wurden stets dankbar angenommen und werden nun fehlen.
Sie war Lyrikerin, Erzählerin und Dramatikerin.
In ihrer großen Novelle Hellemann, der von der Geest etwa, schuf sie in lyrisch anmutender Prosa einen seiner Natur und der Landschaft ausgelieferten Menschen, geradezu einen Gegenpart zu Storms Tatmenschen Hauke Haien.
Der dramatischen Dialog die Königin und ihr Gemahl, eine scharfe und böse Auseinandersetzung zwischen Friedrich dem Großen und seiner Frau, wurde bei Lesungen in Schleswig szenisch aufgeführt. Er ist uns in der CoLibri-Anthologie CoLibretto erhalten.
Dagegen schildert sie in einem episodenhaften Kurzroman, eine ganz andere Ehe, dankt humorvoll und warmherzig für Charme, Lebenskraft und Hilfe, die sie in ihr erfahren durfte, und der durch die Lektüre beschwingte Leser kann den Titel Selbst wenn einer sich irrt… leicht mit …lieben wir uns ergänzen.
Weitere Beispiele ihrer Prosa sind uns in den beiden Erzählbänden An Flensburgs Förde erhalten, Prosa und Lyrik in zahlreichen Anthologien, sowie regelmäßig in der Zeitschrift Schleswig Kultur.
Ein jeder hängt und weht an seinem Faden,
macht mit sich
und sinnt ergeben, spinnt und späht.
Derweil das Leben
Selbst und heiter quillt, sich füllt und drängt
und aufgeladen
Irgendwie weiter geht
Nachruf für Dr. Birgitt Hambach-Uldall
Über Größe
Eigentlich kannte ich Frau Hambach-Uldall nur von den Literaturtagen. Wir wechselten immer einige Worte. Gelesen hatte ich von ihr lediglich einige Arbeiten in den Fundstücken. Und doch spielte für mich die ältere, aufgeschlossene Dame eine wichtige Rolle im Verband. Denn ich lernte von ihr:
Vor einigen Jahren besuchte ich die Schleswiger-Autorengruppe COLIBRI. Wir saßen zusammen, wir lasen unsere Texte vor, die kritisch beäugt und bedacht wurden. Das Gedicht von Frau Hambach-Uldall war gut, aber es hakte irgendwo. Bis die COLIBRIs anfingen, das Gedicht zu kürzen: Zeile für Zeile, Strophe für Strophe – weg. Schmerzhaft, gewiss.
Am Ende blieb nur noch ein Fragment. Aber das Gedicht war wunderbar. An diesem Abend begriff ich die Bedeutung der Literarischen Kritik im gemeinsamen Gespräch, und wie gelassen und dankbar eine Autorin war, ein wunderbares Gedicht geschrieben zu haben.
Andreas Fehler
12. 03. 2012